​Vom Streben

... nach PERFEKTION. Das perfekte Auftreten, der perfekte Job, die perfekte Beziehung, das perfekte Elterndasein, das perfekte Kind… gibt es das überhaupt? Natürlich nicht, denn: was genau ist Perfektion? Dennoch hält sich die Meinung sehr hartnäckig, es sei wichtig und man achtet - zumindest im Außen – sehr darauf, ein bestimmtes Bild zu präsentieren. Heute noch mehr als sonst – in Zeiten der permanenten Beobachtung und unzählbaren Informationskanäle.

Eltern wollen prinzipiell, dass ihre Kinder glücklich sind und dass sie später mal lebenstüchtige Erwachsene werden. Sie möchten ihre Kinder auf ein Leben in der Leistungs- und Wissensgesellschaft vorbereiten und haben meist klare Zielvorstellungen davon, wie dies gelingen kann.

Immer häufiger, so scheint es, übertreiben Mütter und Väter es allerdings mit ihrem Ehrgeiz. Sie verplanen den Nachwuchs mit Förderangeboten und Sport und Wettbewerb. Eine Reihe möglicher Gründe wirkt hier wahrscheinlich zusammen.

Eines ist dabei klar, sie wollen nur das Beste, keine Frage. Gerade die, die sich besonders viel Mühe geben wollen, überfordern ihre Kinder regelrecht damit. Die Frage, die man sich stellen könnte ist: "Mache ich das für mein Kind oder nicht eher für mich?“ Kinder wollen den Erwartungen so oder so natürlich gerecht werden. Die Überforderung zeigt sich dann oft an anderer Stelle.

Wohlgemerkt, es ist in der heutigen Gesellschaft nicht immer leicht gegen den Strom zu schwimmen, vor allem wenn der Strom „immer höher - immer - weiter - immer schneller“ heißt. Man könnte sagen, es gehört fast ein wenig Mut dazu ein, seinen eigenen Vorstellungen und Werten treu zu bleiben. Die Tatsache, dass sich auch die Wege unserer heutigen Erziehung von denen der älteren Generationen abweichen kommt auch hinzu. Gültige Annahmen über eine richtige Erziehung sind überholt, dh. wir gehen heute in den Erziehungsmethoden neue Wege, sind somit aber auch für das Gelingen verantwortlich. Daher ist es nachvollziehbar, wenn sich Druck, der sich aus Sorgen, Fehler zu machen und verurteilt zu werden, aufbaut. Ganz zu schweigen von den zusätzlichen oft ungefragten Ratschlägen, Meinungen, Verbesserungsvorschlägen verschiedenster Kanäle, sowie den permanenten Vergleichen, denen wir uns ausgesetzt fühlen oder sie selbst anstellen.

Ein ständiger Vergleich mit anderen macht übrigens nicht nur unglücklich sondern kann auch andere unangenehme Folgen nach sich ziehen. Vergleiche per se sind jedoch nicht unbedingt schlecht. Die Sache mit dem Vergleich ist die: Sehe ich mein Gegenüber als Beweis meines Versagens an oder als Ansporn, meinem Ziel näher zu kommen.

Der Unterschied liegt wie so oft an der Bedeutung, die ich dem Vergleich zumesse.

Machen Sie nicht den Fehler und plagen Sie sich mit Selbstvorwürfen und Schuldgefühlen.

Auch wenn wir manchmal gern einen roten Faden hätten, wann wofür der richtige Zeitpunkt ist für das eigene Kind. Fakt ist, Kinder gehen nicht nach Plan oder Statistik vor, sie haben ihre eigene ganz persönliche Zeitrechnung. Knapp 90% der Erziehung geschieht, in dem Kinder vom elterlichen Vorbild lernen, deshalb ist es tatsächlich ​sinnvoller, sich damit auseinanderzusetzen, wofür Sie stehen, was Ihnen lang- und mittelfristig wichtig ist – generell – und konkret bei der Kindererziehung. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht, was hat Sie geprägt, was wollen Sie davon übernehmen - welche Gewohnheiten betreffen Sie selbst? Ist es der richtige Weg für mein Kind bzw. was braucht mein Kind?

Diese oder ähnliche Fragen dienen der Reflexion und unterstützt Sie dabei, den Druck, von „ich muss/sollte“ zu nehmen und zu einer authentisch gelebten Gelassenheit zu gelangen. Dies ist hilfreich, wenn Sie neues Verhalten erproben möchten.

Kritische Stimmen lauern überall. Gerade wenn man sich mehr an der Gesellschaft orientiert läuft man hier Gefahr, sich selbst in die Schranken zu weisen.

Üben Sie sich in Gelassenheit. Sie machen das gut. Selbstvorwürfe und Schuldgefühle helfen nicht weiter, sie behindern nur.

Halten Sie es mit T. Harris, den Mitbegründer der Transaktionsanalyse: Stellen Sie sich vor einen Spiegel, schauen Sie sich freundlich an und sagen sie laut: „Ich bin ok. Ich gebe gerade mein Bestes. Es ist gut genug!“. Gelingt es Ihnen nicht sofort? Keine Sorge, üben Sie sich einfach darin, sich selbst auf die Schulter zu klopfen. Kommt ein „ja, aber…“? Unterbrechen sie das, sagen Sie STOP zum inneren Kritiker.

Verabschieden Sie sich von dem Anspruch der Perfektion. Perfektion existiert im realen familiären Leben nicht. Sie machen das gut! Woran wir jedoch immer allesamt arbeiten können, ist eine bessere Version von uns selbst zu werden. Für uns selbst und für unsere Kinder.

​written by R. Egger​

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